Aktion Pflanzenrettung

OLYMPUS DIGITAL CAMERASchon immer hatte ich ein Herz für Pflanzen, und ein Leben ohne Garten kann ich mir nicht mehr vorstellen. Ich weiß nicht mehr so genau, wann es so richtig los ging, vielleicht vor 6 oder 7 Jahren.

Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und fuhr an einem Bauplatz vorbei. Der Boden war weitgehend platt gewalzt, kein schönes Bild. Es war Frühjahr und ich sah am Rand des Platzes kleine Schmetterlingssträucher herauskommen.
(ein Text von Lydia)

Ich kenne sie, die grün-grauen, spitz zulaufenden Blätter und Triebe. Später mit lilafarbenen Rispen, die Falter anziehen. Ich stellte mir vor, dass bei dem in Kürze erkennbaren Baubeginn des Hauses bald kein einziger Strauch dort mehr wachsen würde. Kurzerhand nahm ich einige Triebe mit den Wurzelballen in meinem Fahrradkorb mit. Sie ließen sich leicht herauslösen, vielleicht spürten sie den besseren Überlebensplatz in zukünftigen Zeiten. Zuhause pflanzte ich sie dann in unseren Garten ein, sie wuchsen gut an. Inzwischen wachsen sie dort meterhoch und sind im Sommer ein Wirtshaus für Schmetterlinge.

Geschultes Auge

Dies war der Anfang meiner Pflanzenrettungsaktionen. Mein Auge ist inzwischen geschult, wenn ich an Erddeponien und wilden Gartenentsorgungsplätzen vorbei komme. Oft entdecke ich Pflanzen, von Gartenbesitzern verschmäht und ausrangiert: zu groß, zu alt, zu sperrig … weg damit.

Und so kamen Schneeglöckchen, Krokusse, blaue kleine Traubenhyazinthen, Tulpen, eine alte Bougainvillea, Farne, Canna – Blumenrohr, Geranium – Storchenschnabel, sogar Schilfgras und vieles mehr zu uns. Das Schilfgras fand ich am Waldrand, ausgebaggert aus Deichen; Schneeglöckchen am Bach, weggekippt mit Gartenabfall, Canna an einem abgelegenen Feld neben Grasschnitt.

Alle Pflanzen haben sich gut in unseren Garten oder Teich integriert. Der Gartenstorchenschnabel wächst bei uns besonders üppig und hat sich inzwischen mindestens vervierfacht.

Die alte Bougainvillea fand ich oben auf einer Hochebene, ebenfalls beim Gartenabfall. Ihre pinkfarbenen Blüten hatten mich auf sie aufmerksam gemacht. Sie blüten, obwohl der Stamm horizontal lag und der Wurzelstock kaum mit Erde bedeckt war. Sofort war mir klar, dass ich sie aus ihrem Schattendasein hinter Büschen und ohne Wasser befreien mußte. Sie war schwer und stachelig. Wie gut, dass wir zu zweit unterwegs waren, für den Abtransport ins Tal. Ins Auto paßte sie gerade so rein. Zuhause bekam sie einen Schnitt und erfreut uns den zweiten Sommer mit Blüten.

Dieses Frühjahr hatte ich auf einer Erdaushubdeponie eine Menge blühender Huflattiche entdeckt. So machte ich mich wieder einmal auf den Weg und fand nicht nur die gelben Frühjahrsboten, sondern auch zahlreiche zartlila blühende Krokusse. Da ich zuwenig Gefäße dabei hatte, konnte ich zwar Hufflattiche, aber nur wenige Krokusse mitnehmen. Die Zwiebeln waren zudem tief in der Erde und hatte große Mühe gehabt, sich aus dem Erdreich empor zu kämpfen. Ich versprach mit einer größeren Schaufel wieder zu kommen, um sie aus zu graben.

Wenige Tage später kam ich und keine einzige war mehr da. Inzwischen hatte der Bagger das Erdreich platt gemacht, samt Krokusse. Wie schade, ich war zu spät gekommen. Ein kleiner Trost war es, wenige Meter weiter vorne, wo der Bagger noch nicht sein Unwesen getrieben hatte, Rhizome zu entdecken. Diese vielen langen Wurzeln von Irisen füllten schließlich meinen Eimer.

Kürzlich beim Wandern entdeckte ich am Straßenrand einen Pfingstrosenstrauch. Die dunkelrot treibenden Blätter und die Form von ihnen verrieten mir, dass es einer war. Mein Rucksack war zu klein, um ihn mitzunehmen. Es läßt mir keine Ruhe, dieser Pfingstrosenstrauch, lieblos hingeworfen. Morgen werd ich mich auf den Weg machen ihn zu holen, dafür finden wir auch noch ein Plätzchen im Garten.

Text und Foto von Lydia