Brotkuchenfest in Egensbach am Pfingstsamstag 2014

Elfriede Moosburger formt LaiberlnDas Brotkuchenfest in Egensbach lockte am Pfingstsamstag das ganze Dorf und zahlreiche Gäste. Die Tradition des Brotbackens im eigenen gemauerten Holzbackofen ist in Egensbach inzwischen leider verloren gegangen. Von den ehemals elf Holzbacköfen im Ort gibt es heute nur noch den Backofen im Hof der Familie Moosburger, der 1947 erbaut wurde.

Vor 26 Jahren regte der damalige Gastwirt Richard Meister an, diesen wenig benutzten Backofen wiederzubeleben. So entstand die Tradition des Brotkuchenfestes, die der Gesangverein Sängerliebe heuer zum 26. Mal veranstaltete. Vereinsvorsitzender Reinhard Franz öffnete dafür seine Scheune als Schankraum und das halbe Dorf trug zum Gelingen des Festes bei.
Elfriede Moosburger, die mit ca. 20 weiteren Frauen im Souterrain ihres Hauses in der improvisierten Backstube steht, bedauert sehr, dass „in Egensbach niemand mehr die Kunst des Brotbackens im Holzbackofen wirklich beherrscht“. Sie würde sich freuen, wenn sich wieder Leute zusammentun würden, um gemeinsam Brot oder Pizza zu backen: „der Backofen in unserem Hof steht jedem zur Verfügung“, betont sie.
Für die Logistik in der Backstube war in diesem Jahr Christel Pöhler zuständig. Sie besorgte die Zutaten für die Brotkuchen und sorgte für den reibungslosen Ablauf. Besondere Anerkennung verdienen die vier Frauen, die am Samstag früh innerhalb einer Stunde 35 kg frische Zwiebeln geschnitten haben: Renate und Lara Trenz, Gerlinde Schmidt und Christa Pickel vergossen dabei bestimmt so manche Träne!


Der Teig wurde, im Gegensatz zu früheren Jahren, diesmal nicht mit eigenen Händen geknetet, sondern Bäckermeister Schorr aus Gersdorf mischte die Zutaten in seiner Teigmaschine.
In großen Wannen wurde der Teig herbeigeschafft. Dann ging er durch die Hände von rund zwanzig Frauen, bis die Fladen auf langen Brettern zum Ofen balanciert und von den beiden Bäckern in den Ofen geschossen werden konnten: Zuerst muß der Teig geknetet und zu einer Wurst gerollt werden. Dann werden Stücke mit genau 220 g abgewogen. Die nächste Gruppe formt daraus Leibchen und gibt sie weiter zum Ausrollen in dünne, kreisrunde Fladen. Im nächsten Arbeitsgang bestreichen die Frauen sie mit flüssigem Butterschmalz, dann kommen die Zwiebeln darauf, es wird mit Salz und Kümmel gewürzt und auf den Brettern zum Abtransport vorbereitet. Sonderwünsche wie „einen ohne alles“ werden selbstverständlich berücksichtigt. „Manche Posten im Arbeitsablauf haben die Frauen schon seit über 20 Jahren inne“, erzählt Christel P. Nur wenn Lücken entstehen, können neue Helferinnen auf den begehrten Plätze nachrücken.
Am Backofen trägt in diesem Jahr Dieter Schmidt die Hauptverantwortung, tatkräftig unterstützt von einem Mann der ersten Stunde: Alfred Schmidt.
Kurz nach Mittag wurden 32 Einmeterstücke Holz in dem Backofen aufeinandergeschichtet („gekastelt“) und entzündet. Nach ca.6 Stunden „bricht die Glut“ und wird nach hinten gekehrt. Pünktlich um 18.30 Uhr wurden die ersten Brotkuchen für 2,50 € an die ersten in der Warteschlange verkauft. Eineinhalb Stunden lang lief die Produktion der leckeren Zwiebelkuchen wie am Schnürchen. Um 20 Uhr ging der letzte der über 400 Fladen über die Theke. Wer leer ausging, reihte sich in die Schlange am Grill und an der Kuchentheke ein und wurde auch dort bestens bedient.
„Früher war der Brotkuchen das erste, was aus dem Ofen kam und er wurde an den Postboten und die Nachbarn verteilt, bevor das eigentliche Brotbacken losging“, erinnert sich Alfred Schmidt, der in den Nachkriegsjahren bei seiner Großmutter in Egensbach aufgewachsen ist. Die Temperatur im Ofen war richtig, wenn die Grannen einer Roggenähre, die in den Ofen gehalten wurde, verbrannten, weiß er noch. Dann wurden die vorbereiteten und aufgegangenen Brotlaibe in Brotkörben, den sog. „Bachkretzeln“ gebracht und das Brot in den Ofen geschossen. Vorher wurde die Glut ausgeräumt und der Ofen sauber ausgekehrt. „Die Brote wurden damals lange gelagert und wenn sie mal schimmlig wurden, wurde der Schimmel abgekratzt, das Brot abgewaschen und getrocknet und dann wieder gegessen“, erzählt Alfred Sch. Als besondere Delikatesse hat er das zwar nicht in Erinnerung, aber geschadet hat es damals wohl auch nicht.
Das buntgemischte Helferteam im Alter von 11 und 75 Jahren war ausnahmslos mit Begeisterung dabei und das Helferessen nach zwei Wochen ist allen Lohn genug. Der Erlös des Festes geht an den Gesangverein Sängerliebe, der davon seine laufenden Kosten bestreitet. So ein Traumwetter wie in diesem Jahr gab es bisher noch nicht so oft, aber ausgefallen ist das Brotkuchenfest in Egensbach in den 26 Jahren trotzdem nie. Wenn der Ansturm auf die selbstgemachte Köstlichkeit so anhält, wird dies hoffentlich noch lange so weitergehen!