Demeter aus dem Ei

Diese Geschichte würde eigentlich besser zu Ostern passen, aber sie hat sich Anfang November zugetragen und passt ja auch ein bisschen zu Weihnachten, denn sie handelt vom Wunder des Lebens. Es begann alles damit, dass mein Huhn Bernadette, die mit ihren Schwestern Chrissi, Dorle und Alma auf unserem kleinen Hühnerhof in Egensbach lebt, unbedingt einmal brüten wollte.

Fast jeden Tag legen meine vier Hennen je ein Ei, das ich ihnen meist umgehend ohne jeden Protest aus dem Nest stehlen darf. Von klein auf gehörten für mich Eier in jeder Form zum Nahrungsmittel Nummer eins und ich wollte niemals längere Zeit auf diesen Genuss verzichten. Das einzige, was mir den Appetit verderben konnte, waren die Berichte von den verheerenden Aufzucht- und Haltebedingungen von Legehennen. Selbst die Haltung in Bio-Legebetrieben konnte mich nicht restlos überzeugen. So war ich eben gezwungen, mir selbst glückliche Hühner zu halten.

Plötzlich blieb Bernadette auf ihren Eiern sitzen

Demeter, vor einem Monat aus dem Ei geschlüpft

Demeter, vor einem Monat aus dem Ei geschlüpft

Da ich auf meine Familie und meine Nachbarn Rücksicht nehmen muss, die meine uneingeschränkte Begeisterung für das Federvieh leider nicht ganz teilen, muss ich meinen Hühnerhof klein halten und kann auch keinen Hahn dazunehmen. Ich versuche aber, seine Rolle so gut wie es eben geht, selbst auszufüllen. So war mir auch Bernadettes Wunsch zu brüten Befehl. Sie äußerte ihn damit, dass sie plötzlich auf den Eiern sitzen blieb und mich unfreundlich angackerte, wenn ich mich an die Eier heranmachte. Es ging so weit, dass sie nur noch im Nest saß und kaum zum Fressen und Trinken rausging, so dass ich mir allergrößte Sorgen machte. Im Gegensatz zu Bernadette wusste ich ja genau, wie unsinnig ihr Verhalten war, weil ja kein Hahn ihre Eier befruchtet hatte.

In meiner Verzweiflung ging ich in den Bioladen und kaufte einfach ein paar Demeter-Eier, in der vagen Hoffnung, dass der Demeter-Hahn fleißig war und die Legehennen begattet hatte. Ich tauschte also heimlich die Eier meiner Hühner mit den gekauften aus, die ich markiert hatte. Bernadette brütete freudig weiter. Ausgerechnet als ich auf einer mehrtägigen beruflichen Fortbildung war, entdeckte mein Ehemann, der die Hühner füttern musste, plötzlich zwei Küken im Nest und rief mich völlig entgeistert mitten im Fortbildungsvortrag an. Ich hoffte inständig, dass Bernadette schon wusste, was zu tun war und reiste am nächsten Tag ab.

Das Küken entwickelte sich prächtig

trinken 2

Demeter, 9 Tage alt, lernt trinken.

Leider war ein Küken aus dem Nest gefallen, aber ein Küken, das durchdringend piepste, spazierte im Nest herum. Hilfesuchend gluckste Bernadette mich an. Schnell besorgte ich ein kleines Trink- und ein Futterschälchen und gab mehrmals am Tag frisches warmes Wasser und Kükenfutter hinein. Die Glucke zeigte ihrem Küken sofort, wie man trinkt und Körner pickt und seitdem entwickelt sich das Küken prächtig und weicht seiner fürsorglichen Glucke kaum von der Seite.

Zumindest war es die ersten paar Wochen so. Jetzt heißt das Küken Demeter, denn es ist eindeutig ein Hühnermädchen (als Hahn wäre es ein Dimitri geworden) und inzwischen ist sie so pfiffig und neugierig, dass Bernadette ständig hinter ihr her sein muss, um sie zu beschützen. Auch ihre Tanten mischen sich nun in die Erziehung mit ein, so dass Demeter immer wieder freiwillig zu ihrer Glucke zurückläuft und Unterschlupf unter ihren Federn findet.

Ein kleines Wunder

Ich staune immer noch über das kleine Wunder. Schließlich muss ein Ei, das erfolgreich bebrütet werden kann, frisch und bei einer Temperatur von acht bis 15 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 75 Prozent gelagert worden sein. Es musste mit der spitzen Polseite nach unten transportiert worden sein und zwischen 55 und 62 Gramm wiegen. Das Ei muss unbeschädigt und sauber sein, es darf aber nicht vorher abgewaschen worden sein . Und sowohl Hahn als auch Legehenne müssen stattlich und gesund gewesen sein. All diese Voraussetzung hat das Ei, aus dem Demeter geschlüpft ist erfüllt und das finde ich doch sehr, sehr beruhigend. Denn das bedeutet doch, dass die Bio-Eier tatsächlich hochwertig und gut sind!!!
Hier der Beweis in einer kleinen Fotogalerie: