Auf den Spuren des Wandels im Hammerbachtal

Am Samstag, den 8. April 2017 um 14 Uhr ging unsere Initiative „Dorfnabel Hammerbachtal“ mit dem Historiker Robert Giersch auf eine Wanderung durch Dorf und Flur. Auf dem Weg von Schrotsdorf nach Egensbach wurden Spuren des Wandels im Verlauf der Jahrhunderte aufgespürt. Robert Giersch hatte schon etliche Archive mit alten Dokumenten durchforstet und versteht es, die Spuren direkt in der Landschaft zu lesen.

„Nachdem die zurückliegenden Generationen zwar stets dem Fortschritt zugewandt waren, haben sie doch viel auf Erfahrung gesetzt und Bewährtes beibehalten“, erklärte Giersch. Gerade in Schrotsdorf und Egensbach hat sich die historische Bebauung überdurchschnittlich gut erhalten. Während der gemächlichen Wanderung durch Schrotsdorf, über die Erzgruben nach Egensbach nahm der Historiker und Denkmalpfleger den Wandel der Siedlungs- und Flurformen und der dörflichen Sozialstruktur vom Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert unter die Lupe. Neben der Landwirtschaft, die in den Dörfern früher betrieben wurde, gab es im Hammerbachtal auch beispielsweise die Bergbauindustrie, von der die Erzgruben zeugen.

„Wer die Wurzeln der eigenen Identität in der unmittelbaren Umgebung kennt, spürt auch die Verantwortung, sie zu pflegen“, ist Giersch überzeugt.

Für die Teilnahme an der Wanderexkursion war keine Anmeldung erforderlich und willkommen waren alle, die sich für ihre Heimat interessieren oder vielleicht sogar noch von ihren Vorfahren wissen und erzählen können, wie das Leben in den Dörfern früher einmal war.

So lockte unsere historische Wanderung viele interessierte Leute an, nicht nur aus dem Hammerbachtal, sondern auch aus dem ganzen Hersbrucker Land, insgesamt ca. 50 Menschen und zwei Hunde. Robert Giersch erstaunte mit seinem unglaublich vielseitigen Detailwissen. In Schrotsdorf konnte er an der Balkenstärke oder der Anordnung der Fenster an verschiedenen Fachwerkhäusern und -scheunen die ursprüngliche Bauzeit ausmachen.

Völlig neu war für die meisten, dass im Hammerbachtal Bergbau betrieben und Erz abgebaut und Farbe aus dem roten Gestein hergestellt wurde. Versteckt im Wald konnte Giersch eine alte Erzgrube – noch sichtbar an einer tief eingeschnittenen Rinne im Berg, zeigen. Der Anstieg war mühsam, aber lohnend. Beim Gang durch den Wald öffnete Giersch den Teilnehmern die Augen für die frühere Kulturlandschaft im Hammerbachtal. Es waren noch die Terrassen zu erkennen, die man früher für die Felder angelegt hatte. Der Wald kam erst später und veränderte die Landschaft, die früher offen und kleingliedrig angelegt war. Flurnamen zeugen noch davon, dass an vielen Stellen Siedlungen waren, die heute gänzlich verschwunden sind.

In Egensbach gab es in früheren Zeiten ein Rittergut, von dem wahrscheinlich eckigen Turm – der Graben um die Turmburg war rund – , in dem die Ritter hausten, ist heute auch nichts mehr zu sehen, aber den Standort beim Lagerplatz eines heutigen Steinmetzbetriebes konnte Giersch genau belegen. Die anwesenden Bewohner der sogenannten Bäckergasse in Egensbach belehrte Giersch, dass der Straßennahme mitnichten mit Brotbacken oder Bäckern zu tun hat, sondern sich von dem althochdeutschen Wort Back, das heißt Rückweg herleitet (Backgasse) und den Rückweg der Schafe nach Klingenhof, wo die Ministerialen von Egensbach einen Schafhof unterhielten. Damals bestand Klingenhof nur aus diesem einen Anwesen im Besitz der Egensbacher.

Nach so vielen neuen Informationen stärkten sich viele der Teilnehmer noch im Egensbacher Gasthaus. Die Begehung des Burgstalls am Birkensee wurde auf die nächste Exkursion vertagt. Die Dorfnabelintitiative, allen voran Dagmar Leicht, die die Idee der historischen Erkundung des Hammerbachtals aufgebracht hatte, war überrascht und begeistert von der großen Resonanz auf die Wanderung.

Es gibt noch viel zu entdecken, deshalb sollte die Reihe von Ortsbegehungen unbedingt fortgesetzt werden. Bestimmt gibt es da noch viele Geschichten, die Einheimische noch von ihren Vorfahren erzählen könnten.

Text: Eva Rauner, Egensbach