Paradies Gartenteich

Gartengspräch 2„Die Enten Helga, Karl und Gottfried kommen zu Besuch und fressen den Froschlaich, ein Eisvogel fliegt heran, um zu fischen, Haussperlinge ernten die Libellen …, Fledermäuse, Grasfrösche, Taumelkäfer, Libellen, Wasserläufer, Wasserschnecken, Molche.“ Am Gartenteich von Lydia und Horst in Engelthal ist immer was los.

„Am schönsten ist es, ruhig auf dem Steg zu sitzen und das Treiben der vielen Tiere im und über dem Wasser zu beobachten.“, erklärt mir Lydia beim ersten Gartengespräch des Dorfnabels im Hammerbachtal am Samstag, den 13. Juni 2015.

„Ein meditatives Element im Garten einzurichten, empfiehlt auch Jürgen Dahl in seinen Gartenbüchern.“, schwärmt Lydia von ihrer inspirativen Quelle. Schon beim Zuhören über die Entstehungsgeschichte des Gartenteichs spüre ich die ruhige und entspannende Wirkung des Wassers auf mich. Ich sitze auf dem Steg und Lydia zeigt mir das „Unkraut jäten“. Dabei lausche ich dem Plätschern des kleinen Brunnens neben mir. Das Wasser vom Hausdach wird in einer Zisterne aufgefangen und fließt von dort über ein Kiesbett in den Teich. Läuft der Teich über, fließt das Wasser in ein Sumpfbeet.

Der 60 bis 70 Quadratmeter große Weiher wurde von den stolzen Besitzern im halbschattigen Teil ihres Gartens angelegt. Zuerst musste viel gerodet, die Brennnesseln, Ebereschen und weiteres Gestrüpp entfernt und mit schwerem Gerät das Gelände bewegt werden, bis ein dreistufiger Teich angelegt war. Das Ehepaar Lössl hatte sich für einen natürlichen Weiher entschieden, der vor allem der heimischen Fauna und Flora ein Zuhause sein sollte.

Sie wollten einen Weiher im ökologischen Gleichgewicht, ohne auf chemische Zusätze zurückgreifen zu müssen. Die Wassergartenfreunde (www.wassergarten.de) mit ihren Empfehlungen waren ihnen dabei eine große Hilfe. Die etwas teurere, aber weiche Kautschukfolie schmiegte sich anschließend in die Mulde, die an ihrer tiefsten Stelle einen Meter misst. Der terrassenförmig angelegte Teich konnte geflutet werden und die gekauften Wasserpflanzen fanden ihr neues Zuhause.

Und schon tauchten die ersten Algen auf, die sich explosionsartig vermehrten. „Der Teich wäre nicht im ökologischen Gleichgewicht, wurde uns erklärt“, erzählt mir Horst. „Das Wasser hätte zu wenig Beschattung.“ Von den gekauften Wasserpflanzen überlebten nur wenige. Jetzt ging die eigentliche Arbeit erst richtig los, das Suchen und Finden der Bedingungen für ein funktionierendes ökologisches Gleichgewicht ohne Einsatz von Chemie.

Der Wasserzulauf im Kiesbett, die Beschattung durch eine größere Anzahl von großblättrigen Seerosen, die Sauerstoffzufuhr durch den kleinen Brunnen und viele weitere kleine und große Maßnahmen verbesserten das Gleichgewicht. Neue Wasserpflanzen für ihren Gartenteich „ernteten“ die beiden Teichbegeisterten am alten Kanal, als sie mit Wathose ausgerüstet die Wasserpflanzen vor der Maat einsammelten.

Trotz aller Anfangschwierigkeiten wurde ihr Ringen um das ökologische Gleichgewicht belohnt. Heute sitzen wir vor einem prachtvollen, die Sinne betörenden Teich und genießen die Ruhe und das Treiben zwischen Wasserdost, Rohrkolben, Binsenkraut, Schilf und Seerosen. „Die Wasserpest und hin und wieder ein paar Algen zu entfernen, im Herbst ein Laubnetz zum Schutz vor den fallenden Blättern zu spannen, das Unkrautjäten einmal im Jahr und das regelmäßige Messen des ph- Werten sind die einzigen Arbeiten, die heute noch anfallen“, versichert mir Lydia.

Die Pracht der Schachblumen im Frühjahr, wenn das Sumpfbeet sich in seiner ganzen Blüte zeigt, habe ich leider verpasst, aber der Blutweiderich erwartet mich beim nächsten Besuch, wenn er in seiner ganzen Schönheit blüht.