Schaumgesänge: Gestaltwandlerin zu Besuch im Hammerbachtal

Fantasy, Thriller, Abenteuerroman oder eine 400-Seiten-Geschichte, die eine ungewöhnliche  junge Frau auf ihrem abenteuerlichen Weg der Selbstfindung begleitet und von der Gesellschaft Verständnis und Toleranz jenseits des Bekannten fordert?

Diese Frage stellten sich die 20 Besucherinnen und Besucher, die am 28. April zur Lesung von Julia Reisenhauer ins Alte Schulhaus in Offenhausen kamen. Die junge Autorin stellte dort ihren Roman „Schaumgesänge vor“, der 2015 im Eigenverlag erschienen ist.

Eindeutig Fantasy“, lacht die sympathische Nürnbergerin, deren Mutter seit vielen Jahren in Kucha lebt. Sie zögert kurz. „Oder von allem etwas.“ Spannend war es auf alle Fälle, wie die Reaktionen der Besucherinnen und Besucher zeigten.

Mucksmäuschenstill lauschten sie den ausgewählten Passagen, und mit jedem Satz wuchs die Spannung. So manche Zuhörerin nahm ein Exemplar des Buches mit nach Hause, um zu erfahren, wie die Geschichte um die Delphin-Gestaltwandlerin Elanja weitergeht. Bedroht von einer Gruppe, die alle Gestaltwandler vernichten will, muss sie um ihr Leben kämpfen – und bleibt in diesem Kampf nicht allein. 

Wer bist du, wenn du weder ganz Mensch noch ganz Tier bist, diese Frage nach der Identität finde ich total spannend“, betont Reisenhauer. Dabei ist das Thema der Mensch-zu-Tier-Verwandlungbeileibe keine Erfindung der Fantasy-Fans von heute, sondern ein archaisches Motiv, dass die Menschheit schon seit Jahrtausenden begleitet . Vom Schamanen über die Meerjungfrau und den Froschkönig bis hin zum Werwolf zeugen unzählige Geschichten von Menschen, die ein Tier in sich tragen.

Neben Elanja, ihren Freunden und ihren Feinden spielt das Element Wasser eine Hauptrolle im Roman: Reisenhauer fühlt sich ein in die Bewegung unter Wasser, in das Luftholen vor jedem Tauchgang, dass man als Leser mit der Gestaltwandlerin eintaucht in die Tiefen des Meeres. Mehr soll hier nicht verraten werden. Fantasy mit viel Spannung, Action und Gefühl sind garantiert – auch für Menschen geeignet, die sich nicht allzu sehr für Fantasy begeistern können.

Und ja: Auch ich habe das Buch gekauft. Auf die Lektüre freue ich mich schon.

Das Buch „Schaumgesänge“, an dem Julia Reisaenhauer neben ihrem Beruf als Archäologin fünf Jahre lang gearbeitet hat, ist im Eigenverlag erschienen und kann über https://www.amazon.de/Schaumges%C3%A4nge-Julia-Reisenhauer/dp/1533460957 als Taschenbuch oder E-Book bezogen werden.

Vor der Lesung führte Eva Rauner aus Egensbach das folgende Interview mit Julia Reisenhauer :

Frage an die Autorin: In Ihrem ersten Roman geht es um eine Gestaltwandlerin, ein Wesen, das sowohl Mensch als auch Tier ist. Ist das nicht eher gruselig?
Julia Reisenhauer: Genau – hört man den Begriff Gestaltwandler, denkt man sofort an die viel bemühten Werwölfe oder Vampire! Mittlerweile gibt es aber auch eine ganze Reihe guter Romane aus dem Fantasy- oder Suspense-Genre, deren Hauptfiguren sich in Tiere (hauptsächlich große Raubkatzen) oder auch Drachen verwandeln können. Das hat mich inspiriert und ich nahm die Idee auf, um etwas zu schaffen, was es bisher meines Wissens in Büchern nicht gab: Eine Geschichte über maritime Gestaltwandler, also Menschen, deren zweite Gestalt im Element Wasser zuhause ist.

Frage: In welches Genre würden Sie Ihr Buch einordnen: Science fiction, Fantasy, Krimi, Liebesroman?
Julia Reisenhauer: Ich gebe zu, dass die Einordnung des Stoffes nicht leicht fällt. Grundsätzlich ist der Roman dem Fantasy-Genre zuzuordnen. Er spielt in der Jetzt-Zeit und in unserer Welt. Allerdings gibt es im Buch auch Menschen mit tierischen Wesensanteilen – Gestaltwandler eben. Abgerundet wird die Geschichte durch eine großzügige Prise Spannung und Thrill sowie der Liebesgeschichte zwischen zwei Wandlern. Folglich kommen alle drei Zutaten in etwa gleichberechtigt zur Geltung.

Frage: Als Archäologin arbeiten sie ja mit wissenschaftlichen Fakten. Wie passen da Fantasyfiguren hinein?
Julia Reisenhauer: Das schließt sich nicht unbedingt aus. In der Mythologie verschiedener Völker, wie zum Beispiel in den Sagen und Erzählungen des antiken Griechenlandes oder aber auch in den europäischen Märchen taucht das Thema Gestaltwandlung immer wieder auf. Mischwesen zwischen Mensch und Tier sind keine moderne Idee. So ist es nicht mehr weit vom wissenschaftlichen Interesse an kulturellen Phänomenen wie diesem zum eigenen, fantastischen Kopfkino.

Frage: Sie tauchen in Ihrem Roman sehr eindrucksvoll in die Welt eines Delphin ein. Haben Sie als Landratte einen persönlichen Bezug dazu?
Julia Reisenhauer: Delphine haben wahrscheinlich nicht nur mich zeitlebens fasziniert. Schon seit Jahrhunderten liegt etwas Besonderes in der Beziehung zwischen Mensch und Delphin, der es in vielen Bereichen wie Intelligenz, soziale Interaktion und Kommunikation durchaus mit uns aufnehmen kann. Ich strebte durch Recherchen zum Thema, Einfühlungsvermögen und vor allem natürlich mithilfe der Fantasie eine hoffentlich mitreißende Darstellung meiner Protagonistin Elanja an.

Zur Autorin:

Julia Reisenhauer wurde 1987 in Nürnberg geboren und wuchs im Umland der fränkischen Metropole auf. Mit dem Hammerbachtal verbinden sie verwandtschaftliche Bezüge. Nach einer dreijährigen Tätigkeit in der Reisebranche schlug die junge Frau den akademischen Weg ein und studierte Archäologie; seitdem ist sie wissenschaftlich tätig und an archäologischen Ausgrabungen in Mittelfranken beteiligt.

Schon als Kind eine Bücherfreundin und stets schreibaffin, veröffentlichte Julia Reisenhauer 2015 ihren Debütroman „Schaumgesänge“. Zunächst als E-Book erschienen, ist das Werk seit August 2016 auch als Taschenbuch publiziert.

In ihrem Roman geht es um die junge Frau Elanja :“Sie lebt unter Menschen an der italienischen Riviera – unerkannt verdient sie sich dort ihren Lebensunterhalt als Bademeisterin. Niemand kennt das Geheimnis, das ihre meerblauen Augen hüten. Eines Tages stößt sie in der Bucht auf ein rätselhaftes Netz, welches eine ernsthafte Gefahr für die Meeresfauna darstellt. Und schon bald gerät Elanjas Welt aus den Fugen. Ihre Gestaltwandlergene drohen ihr zum Verhängnis zu werden. Ein Kampf ums blanke Überleben, ein Kampf um Gerechtigkeit, ein Kampf um die Liebe beginnt…“ (Auszug aus dem Klappentext)

Erstmals ist das Interview in einer leicht gekürzten Fassung in der Hersbrucker Zeitung erschienen.